Pressemitteilung

Hamburg, 18. Mai 2018


Große Koalition des Antirassismus: 200 Gruppen und Initiativen rufen zur Parade gegen Rassismus und Abschiebungen in Hamburg auf


Auch im Jahr 2018 sterben Menschen im Mittelmeer, leben unter unmenschlichen Bedingungen in Camps und sind zunehmend mit rassistischer Gewalt konfrontiert. Dagegen und für eine Politik der Solidarität steht das Netzwerk We‘ll Come United. Im heute veröffentlichten Aufruf zu einer bundesweiten Parade am 29. September 2018 in Hamburg positioniert sich das Netzwerk unter dem Motto “United against racism” gegen den rassistischen Irrsinn auf den Straßen und in den Parlamenten, gegen eine sich einmauernde Gesellschaft und gegen die Politik der Ausgrenzung.

200 Organisationen, Initiativen, Cafés und Clubs, Vereine, Kulturinstitutionen, selbstorganisierte Migrant*innengruppen, Willkommensinitiativen, Künstler*innenkollektive und NGOs gehören zu den Erstunterzeichner*innen. Darunter Lampedusa in Hamburg und Jugendliche ohne Grenzen, das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland, mehrere Flüchtlingsräte, das Tribunal “NSU-Komplex auflösen”, die Seenotrettungsorganisationen Sea-Watch und Jugend rettet, die NGO medico international, die Fußballclubs FC St. Pauli und SV Babelsberg 03 und das Hamburger Theater Kampnagel – Zentrum für schönere Künste.

“Das Problem in ganz Europa heißt nicht Migration, das Problem heißt Rassismus” so Newroz Duman, Sprecherin des Netzwerks We’ll Come United. “Allein in den letzten Wochen zieht sich ein roter Faden des Rassismus durch die Öffentlichkeit, der von der AfD über Christian Lindner, vom medialen Spektakel zu Ellwangen bis zur Neuregelung des Familiennachzugs reicht. Wir werden uns an diesem rechten Diskurs nicht beteiligen. Wir lassen uns nicht in ‘gute’ und ‘schlechte’ Migrant*innen spalten. Wir stehen auf der Seite all jener, die der täglichen Hetze, dem Grenzregime und der Entrechtung ausgesetzt sind und sich dagegen wehren. Je mehr Abschiebungen verhindert werden, desto besser.”

Die Parade in Hamburg soll die Stärke und Vielfältigkeit der antirassistischen Bewegung zeigen, die zu oft unsichtbar bleibt. “Ob auf dem Mittelmeer, im Kampf gegen Abschiebungen oder in der Willkommensinitiative: Die gelebte Solidarität von Unzähligen ist die praktische Antwort auf den alten und neuen Rassismus”, so Duman. Seit Monaten sind Aktivist*innen im Rahmen einer “Swarming”-Tour unterwegs. Sie besuchen Lager und abgeschiedene Unterkünfte von Geflüchteten, um die Menschen in ihren täglichen Auseinandersetzungen zu stärken. Am vergangenen Wochenende kamen vom 10.-13. Mai in Göttingen mehrere Netzwerke aus Bewegung und Wissenschaft zu einer „Großen Koalition des Antirassismus“ zusammen.

“Wir sind viele – und sogar viel mehr als wir denken. Es ist Zeit für eine antirassistische Offensive”, so Duman abschließend.

‘We‘ll Come United’ ist ein bundesweites Netzwerk aus Gruppen und Personen, die sich sozial, antirassistisch, kulturell und politisch engagieren. Es ist eine Koalition aus Refugees und Supporter*innen, aus Wissenschaftler*innen, Lehrer*innen, aus Nachbar*innen, aus Menschen aller Altersgruppen und aus verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Im September 2017 fand in Berlin die erste We’ll Come United-Parade statt: Vielfältig, laut und bunt hat der antirassistische Zusammenschluss kurz vor der Bundestagswahl auf Berlins Straßen ein Zeichen gesetzt. Seitdem hat sich das Netzwerk um viele Gruppen und Menschen erweitert, um dieses Jahr in Hamburg als Demo, als Karneval, als Parade mit Musik und Performance gelebten Antirassismus und Solidarität sichtbar zu machen.

Weitere Informationen:


Bei Rückfragen stehen wir per E-Mail oder telefonisch zur Verfügung.



Stimmen von Erstunterzeichner*innen:

“Das Mittelmeer ist immer noch die tödlichste Grenze der Welt, die humanitäre Krise keineswegs vorbei. Europas Versuch, Migration mit allen Mitteln zu stoppen, muss endlich ein Ende haben. Statt Menschen auf der Flucht ungeheures Leid zuzufügen, ihnen ihre Grundrechte zu verweigern und zivile Seenotrettung zu kriminalisieren, müssen wir endlich menschenwürdige Einreisewege schaffen!“
Johannes Bayer, Vorstand Sea-Watch e.V.

“Seit 1,5 Jahren finden jetzt Sammelabschiebungen nach Afghanistan statt, obwohl alle wissen, dass dies ein Verbrechen an der Menschlichkeit ist. Wir brauchen ein starke Verbindung von den Lagern in die Bevölkerung, um entschlossen gegen Abschiebungen nach Afghanistan und in alle anderen Länder zu kämpfen.”
Nabi Ghorbani, Afghanischer Aufschrei Düsseldorf

“Die aktuellen antirassistischen Kämpfe schließen auch die Roma-Bleiberechtskämpfe mit ein – deren Geschichte tief mit Deutschland verbunden ist. Deutschland im Nationalsozialismus: das hieß Deportation und Verfolgung der Roma in Nord-West- und Südosteuropa. Rassismus betrifft Roma in der Geschichte und in der Gegenwart. Heute fliehen Roma nach wie vor, zum Teil in vielfacher Wiederholung, vor Rassismus und Ausgrenzung. Daher ist die Solidarität mit Roma ein Kampf gegen politische und soziale Ausgrenzung – überall.”
Kenan Emini, alle bleiben!

“Beim Kampf gegen Rassismus reden wir nicht von einem Austreibungsritual, das zeitlich begrenzt ist, sondern von einem jahrhundertealten Phänomen. Derzeit macht es sich wieder breit in der Mitte der Gesellschaft. Dies wollen und können wir als Humanisten nicht zulassen!”
Diana Henniges, Moabit Hilft e.V.

“Ich unterstütze das Netzwerk We’ll Come United, weil es ein starkes Zeichen für die Kraft der Solidarität ist.” Cornelia Kerth, Bundesvorsitzende VVN-BdA

“Rassismus darf gerade in Deutschland nicht mehr salonfähig werden. Dafür muss er aufgedeckt, benannt und entschlossen debattiert werden. Die Parade ist eine großartige Initiative des Netzwerks We’ll Come United. Lasst uns alle hingehen und eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung feiern!”
Amelie Deuflhard, Intendantin Kampnagel – Zentrum für schönere Künste / Center for finer arts

“Angesichts der sich verschärfenden und immer rassistischer werdenden Diskurse wird die Solidarisierung von anti-rassistschen Gruppen, Initiativen und Individuen immer dringlicher. Die Erfahrungen der Menschen, die von diesen Diskursen unmittelbar negativ betroffen sind, müssen dabei im Zentrum stehen. Dies ist bei der We’ll Come United Kampagne der Fall und deshalb wird sie von der ISD unterstützt.”
Tahir Della, Vorstand Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.

“In den aktuellen Zeiten gilt es voranzugehen und Werte wie Toleranz und Offenheit nicht nur zur propagieren, sondern auch tatkräftig voranzutreiben. Das tut das Bündnis „Welcome United“ und deswegen unterstützt der FC St. Pauli den Aufruf zur antirassistischen Parade am 29.9. in Hamburg mit aller Kraft.”
Christiane Hollander, Vize-Präsidentin FC St. Pauli

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